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Farbstoffe
aus pflanzlichen Rohstoffen
(Farben & Stoffe) |
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Was Farbstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen alles können
wussten schon unsere Vorfahren. Wertvolle mehrere hundert Jahre
alte Perserteppiche besitzen heute noch Farben mit hoher Leuchtkraft.
Die Farbstoffe von damals waren Produkte aus pflanzlichen und tierischen
Rohstoffen. Uns aus der Küche vertraute Pflanzenarten, wie
Walnuss, Mohn, Datteln, Safran oder Zwiebel, besitzen Färbeeigenschaften,
die in letzter Zeit immer mehr Beachtung finden. Darüber hinaus
gibt es noch eine große Palette an Färbepflanzen,
die oft diese Nutzungsform im Namen tragen. Sie heißen zum
Beispiel Färberwaid, Färberresede, Färberhundskamille
oder Färberknöterich.

Durch neue Forschungsergebnisse im Rahmen der Programmlinie Fabrik
der Zukunft konnte das Know-how der Herstellung und Anwendung
von Farbestoffen aus Färbepflanzen weiterentwickelt und für
die Verwendung in der Textilindustrie entsprechend aufbereitet werden.
Das Fabrik der Zukunft Projekt "Farb&Stoff" befasste
sich mit der Entwicklung von Pflanzenfarbstoffen und deren Standardisierung
für den industriellen Einsatz. Dabei wurden sowohl die Voraussetzungen
für den betrieblichen Einsatz von Pflanzenfarbstoffen auf der
Basis der Anforderungen der färbenden Betriebe und der Rohstoffanbieter
erarbeitet, Pflanzenfarben als Handelsprodukt definiert und die
überregionalen Strukturen für die Versorgung mit Rohstoffen
beschrieben. Die Verwendung von Pflanzenfarbstoffen stellt auch
eine neue Möglichkeit der Nutzung von Reststoffen aus der Holz-
und Lebensmittelverarbeitenden Industrie dar. Färbeversuche
mit Traubentrester oder Baumrinde
zeigten vielversprechende Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1) Farbpalette - Die Natur spielt alle Farben
2) Das Leben ist farbenfroh - Produktmuster und
Farbstoffprototypen
3) Pflanzenfarben in der Kunst
4) Traditionelles Wissen über Pflanzenfarben
5) Lernen aus anderen Kulturen
6) Modedesign und Pflanzenfarben
7) Vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt - Die
Textile Wertschöpfungskette
8) Qualitätskriterien und -prüfung
9) Färbetechniken
10) Färbepflanzen Baukasten
11) Herstellung des Färbeextraktes
12) Färbpflanzen - Anbau und Ernte
Blauer Zweigelt oder Blauburgunder - Eine Frage des (Farb)geschmacks:
Pflanzenfarben aus Reststoffen der Lebensmittelindustrie
14) Pflanzenfarben aus Reststoffen der Holzindustrie
Skizze von Akteuren und Kreislauf: Feld, Blume, Ernte, Aufbereitung
des Farbstoffes, Färbevorgang, fertiges Textil, Färbeflotterezyklierung, Textilrezyklierung
Die Natur spielt alle Farben
Viele Millionen verschiedener Farben werden von uns wahrgenommen
und haben eine Auswirkung auf unser Wohlbefinden. Farbstoffe aus
der Natur spiegeln diese Vielfalt wider. Die Färbematerialien
bestehen aus mineralischen, tierischen oder pflanzlichen Stoffen.
Alleine die pflanzlichen Farbstoffe bieten eine große Palette
an Farbstoffen, die in einer umfangreichen Farbkarte dargestellt
ist. Textilhersteller, Modedesigner oder Innenarchitekten wird es
nun ermöglicht, standardisierte Farbtöne zu verwenden.
Diese Innovation stellt einen Grundstein dar, um eine Produktlinie
zur betrieblichen Textilfärbung mit Pflanzenfarben zu etablieren.
Sie unterstützt die Generierung der Nachfrage für pflanzengefärbte
Textilien am Markt und kann somit zur Gründung eines Betriebs
für die Herstellung standardisierter Pflanzenfarbstoffe beitragen.
Das Leben ist farbenfroh - Produktmuster und
Farbstoffprototypen
Die farbliche Gestaltung der Umgebung und vor allem der Kleidung
stellt einen wichtigen Aspekt für unser Wohlbefinden dar. Mit
Pflanzenfarben gefärbte Farbstoff-Prototypen und qualitätsgeprüfte
Textilproben (siehe Qualitätsprüfung, link zu Kapitel
Qualitätskritereien und -prüfung) wurden im Rahmen des
Fabrik der Zukunft Projektes "TRADEMARK Farb&Stoff"
hergestellt. Die Präsentation der Farbstoffe erfolgt in Form
eines Produkt-Kataloges.
Beschreibung der fachlichen und betrieblichen Anforderungen an
einen Betrieb, der die Farbstoffprototypen herstellt und standardisiert
Zum Färbepflanzenbaukasten: Im Zuge der vergangenen Projekte
zum Thema Naturfarbstoffe in Zusammenarbeit mit dem österr.
Ökologie-Institut entstand die Idee des Färbepflanzenbaukasten
als "Werbeprodukt". Das ursprüngliche Konzeptziel
war ein erleichtertes Kennenlernen von Pflanzenfarbstoffentechniken
für die Partner der Industrie.
Färbereien und andere Textilbetriebe zeigen wachsendes Interesse
an alternativen Möglichkeiten zur Textilveredelung. Durch den
Färbepflanzenbaukasten bieten wir die Möglichkeit, erste
Erfahrungen im Umgang mit Pflanzenfärbung zu machen. Zu geringen
Kosten und mit minimalem technischen Aufwand finden Versuchsfärbungen
im Labormaßstab statt, welche Hinweise auf großtechnischen
Einsatz liefern können.
Eine Modifikation der Arbeitanleitung erlaubt aber auch Laien den
Zugang zur pflanzenbasierenden Hobbyfärberei. Besondere Begeisterung
für den Baukasten konnte im Bildungsbereich festgestellt werden.
Lehrer und Schüler können nicht nur selbstgefärbte
"Produkte" herstellen und sich kreativ entfalten sondern
erhalten gleichzeitige erste Informationen über die Bedeutung
von nachwachsenden Rohstoffen für den industriellen Einsatz.
Der Färbepflanzenbaukasten dient neben dem praktischen Experimentieren
mit Farbstoffen aber auch als Informationsquelle.
Lernen aus anderen Kulturen (vgl. Mehdi
Zarif, 1999, wissenswertes Wohnen, Teppiche, S. 24f)
Orientalische Teppiche haben schon lange Weltberühmtheit erlangt
und sich über den gesamten Globus verbreitet. Weniger bekannt
ist, dass diese Teppiche, vor allem die wertvollsten noch heute
mit Pflanzenfarben gefärbt werden. Diese Teppiche sind anhand
leichter Farbtonabweichungen innerhalb einer Farbe, auch "Abrasch"
genannt, erkennbar. Die am weitesten verbreitete Färberdroge
ist "Türkischrot", das aus der Wurzel der Färberröte
oder Krapp (Rubia tinctorium, Familie der Rötegewächse)
gewonnen wird. Durch den Zusatz von Zitronensäure wird der
Farbton orange. Rosa wird aus Brasilholz gewonnen. Hellrot kann
aus Sandelholz und Hennablättern, goldrot aus Safranblättern
(Cathamus tinctorius) und blau aus den Wurzeln des Indigostrauches
(Indigofera tinctoria), gelb aus Gelbwurz (Curcuma) oder aus Eichenblättergallen
hergestellt werden. Weiteres werden in Wasser fermentierte Apfel-,
Wein- und Bromberblätter oder die Schalen des Granatapfels
für gelbe Farbstoffe verwendet. Gelb und Rot ergeben ein leuchtendes
Orange, das vor allem auf feinen Persern zu finden ist. Braun- und
Beigetöne werden mit Kastanien,Walnusschalen und Eichenrinde
erreicht. Die Farbe grün kommt seltener vor, da sie eine heilige
Farbe ist. Sie wird durch überfärben von blau gefärbter
Faser mit gelb hergestellt. Die Herstellung der Farbpigmente erfogt
teilweise mit überlieferten händischen Methoden.
Die Färberkunst stellt ein wichtiges traditionelles lokales
Handwerk dieser Kulturkreise dar und erfordert eine hohe Kunstfertigkeit
und viel Erfahrung. Diese Wissen und Know-how wurde im aktuellen
Forschungsprojekt für die heutigen Anforderungen weiterentwickelt.

Vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt - Die
Textile Wertschöpfungskette
Die Wertschöpfungskette in der Textilbranche von der Rohware
bis zur Konfektion bilden gewöhnlich fünf Stufen, die
man die "textile Kette" nennt und an der teilweise nicht
nur viele Betriebe sondern auch Betriebe in verschiedenen Kontinenten
beteiligt sind. Die Grundstruktur der textilen Kette ist aus der
nachfolgenden Abbildung zu entnehmen.
Abbildung: Struktur_Textile_Kette
Interessant ist die unterschiedliche Ausgestaltung der Textilien
Wertschöpfungskette bei den Projektpartnern und interessierten
Unternehmen, je nach bearbeitetem Substrat (Polyamid, Wolle, Baumwolle,
Leinen). Wichtig ist vor allem, dass es vollstufige Textilbetriebe
gibt, die alle Verarbeitungsschritte vom Stricken bzw. Weben oder
Wirken bis zur Konfektion, durchführen und andere Betriebe,
die jeweils nur einen Verarbeitungsschritt, wie z. B. das Weben
durchführen. Weiters werden zum Teil gefärbte Fäden
verarbeitet, zum Teil aber erst das fertige Strickstück oder
Gewebe gefärbt. In manchen Bereichen werden auch erst die fertig
genähten Produkte gefärbt. Es gibt viele unterschiedliche
Arten, den Rohstoff vorzubehandeln, auszurüsten und zu konfektionieren,
je nach Kundenwunsch, nach Rohstoff und nach Fertigungs- und Färbeverfahren.
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