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Laubschwachholz   Laubschwachholz
Neue Nutzungspotentiale in der Forst- und Holzwirtschaft

Im Interview gewährt uns Projektleiter DI Dr. Christian Hansmann einen Blick hinter die Kulissen des FdZ-Projekts und erzählt über seine persönliche Motivation sowie mögliche Folgeprojekte.


Hansmann


www.nawaro.com: Welche Vision und welches Ziel liegt dem Projekt zugrunde?

Hansmann: Aus der interdisziplinären Zusammenarbeit im Rahmen anderer Projekte gemeinsam mit den Instituten für Waldbau und Holzwirtschaft, beide BOKU, sowie der timberfreaks Holztechnik GmbH, einem Ingenieurbüro für Holztechnik und Holzwirtschaft, entstand die Idee, die gesamte Wertschöpfungskette Laubschwachholz (LSH) näher zu beleuchten. Aus forstwirtschaftlichen Überlegungen wurden nämlich verstärkt der natürliche Anflug und die Auspflanzung von Laubhölzern forciert. Damit steht heute eine steigende Menge an Laubholz in den betroffenen Waldregionen in Niederösterreich (= Projektgebiet) zur Verfügung. Aufgrund fehlender Nutzungspotentiale von LSH können wichtige Durchforstungsmaßnahmen jedoch oft nur ungenügend durchgeführt werden. Derzeit werden geringe Durchmesserklassen vorwiegend für Heizzwecke eingesetzt, ungeachtet der Holzqualität der vorliegenden Rohstoffressourcen. Aufgrund der geringen Gewinnspanne bzw. möglichen Erlöse unterbleiben häufig Durchforstungsmaßnahmen bzw. verbleiben Rundhölzer teilweise sogar im Forst, da der Verkaufspreis die Kosten der Rückung nicht trägt. Die Grundidee des Projekts war daher, anhand der Wertschöpfungsketten vom Waldort bis zum Verarbeiter (Holz verarbeitende Gewerbe bzw. Industrie) die Potentiale von Laubschwachholz in der Projektregion aufzuzeigen, die über die Nutzung nur zur Energiegewinnung oder als Industrieholz hinausgehen.
Dadurch soll eine Erweiterung der Absatz- und Ausformungsmöglichkeiten für den Waldbesitzer einerseits und Innovation in der Produktentwicklung und gesicherte Versorgung mit LSH für den Abnehmer andererseits initiiert und demonstriert werden.

Welche Hindernisse mussten überwunden werden, um das Projekt zu realisieren?

Die österreichische Forst- und Holzwirtschaft ist zu einem hohen Anteil (89 %) aus Klein- und Mittelbetrieben bis 20 ha Waldfläche aufgebaut, das entspricht 23,2 % der österreichischen Waldfläche. Strukturelle Veränderungen in der Bewirtschaftungsform können daher mit entsprechender Breitenwirkung nur mit größeren Forstbetrieben umgesetzt werden. Mit der Forstverwaltung Grafenegg, dem Forstbetrieb Stift Klosterneuburg und der Österreichischen Bundesforste AG konnten hierfür ideale Partner in der Projektregion gewonnen werden. Auf der anderen Seite sollen gerade wegen dieser Kleinstrukturierung auch kleinere Betriebe sowohl auf der Produktionsseite (Forst) als auch auf der Verarbeiterseite (Holzwirtschaft) erreicht werden. Durch die Einbindung eines Waldverbandes (Holzwerbefonds der NÖ Landwirtschaftskammer) in das Projektkonsortium konnte die Voraussetzung geschaffen werden, die Ergebnisse auch für Kleinwaldbesitzer aufzubereiten und weiterzugeben. Die Produktionsseite schließlich ist im Projektkonsortium einerseits durch einen innovativen verarbeitenden Betrieb, die DendroLight Holzwerkstoffe GmbH, vertreten, andererseits durch den Fachverband der Holzindustrie Österreichs, wodurch auch auf Verarbeiterseite eine entsprechende Breitenwirkung erzielt werden kann. Somit konnte schließlich ein für die Fragestellung optimal geeignetes Projektkonsortium geschaffen werden.
Durch die nicht unerhebliche Menge an Rund- und Schnittholz gab es während des ersten Forschungsjahrs bei der Probengewinnung auch logistische Herausforderungen, die jedoch durch die optimale Unterstützung aller Projektpartner hervorragend gemeistert werden konnten.

Wo sehen Sie die gesellschaftliche Relevanz für dieses Forschungsthema?

In der ausgewählten Region Niederösterreich beträgt der Laubholzanteil rund 25 % der Gesamtwaldfläche. Neue Nutzungspotentiale für eine erhöhte Wertschöpfung aus nachhaltigen Ressourcen stellen daher eine wichtige Stärkung für die Region Niederösterreich dar. Nichtsdestotrotz können diese Ergebnisse natürlich auch auf andere Regionen bzw. Bundesländer übertragen werden.
Vorrangigen Nutzen aus diesem Projekt ziehen daher die beteiligten Forstbetriebe, aber auch innovative Verarbeiter von Laubschwachholz. Aufgrund der geringeren Rohstoffkosten von Laubschwachholz kann für die Weiterverarbeitung eine höhere Wertschöpfung erzielt werden. Durch die neuen Absatzpotentiale (die über die thermische Verwertung von Laubschwachholz hinausgehen) können für die Forstbetriebe größere Mengen und angehobene Preise für Laubschwachholz erzielt werden. Damit kann die Laubholznutzung in Österreich nachhaltig gesteigert werden.
Vergleicht man darüber hinaus die Wertschöpfung zwischen stofflicher und energetischer Nutzung, so konnte beispielsweise durch Jaakko Pöyry (Pöyry Forest Industry Consulting, ein unabhängiges, renommiertes Beratungsunternehmen im Bereich Forstindustrie) gezeigt werden, dass die Wertschöpfung bei der stofflichen Nutzung um ein Vielfaches über der energetischen liegt. Parallel mit der Wertschöpfung steigt durch die stoffliche Nutzung auch die Anzahl der Arbeitsplätze.

Holzverarbeitung


Was ist Ihre persönliche Motivation, die Entwicklung im Bereich der Nutzung nachwachsender Rohstoffe zu forcieren??

Holz ist eine der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffressourcen. Die stoffliche Nutzung von Laubschwachholz stellt das zentrale Thema des laufenden Projekts dar. Im Bereich der Herstellung von Plattenwerkstoffen (z.B. Spanplatte) werden bereits in größerem Stil Rundholzressourcen eingesetzt, die bisher keiner stofflichen bzw. industriellen oder betrieblichen Nutzung zugeführt wurden. Die stoffliche Nutzung von Laubschwachholz zeigt eine Möglichkeit auf, zusätzliche Rohstoffe für Laubholzprodukte verfügbar zu machen. In der Massivholzplatten- und Fußbodenproduktion könnten neue Produkte aus dieser Ressource entstehen, die dieser Branche weitere Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Wie kann man sich die Nutzung und Verbreitung der Ergebnisse Ihres Projekt vorstellen?

Im Rahmen des Projekts soll eine Entscheidungshilfe für eine gesteigerte stoffliche Nutzung zur Erhöhung der Wertschöpfung der Sortimente Laubschwachholz sowohl für den Waldbesitzer als auch für den Weiterverarbeiter erarbeitet werden. Die im Konsortium vertretenen Betriebe können die Projektergebnisse direkt nutzen und umsetzen. Durch die beiden im Konsortium vertretenen Verbände können die Ergebnisse aber auch ideal, sowohl auf Forstseite als auch auf Verarbeiterseite, zu weiteren Betrieben, und hier auch zu Klein- und Mittelbetrieben, transportiert werden.

Wie werden diese Forschungsergebnisse Ihrer Meinung nach Handlungsweisen und Einstellungen der Gesellschaft beeinflussen?

Die hohe Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft für die österreichische Volkswirtschaft ist noch viel zu gering in der Gesellschaft bekannt. Österreichweit sind ca. 250.000 Personen in der Forst- und Holzwirtschaft beschäftigt und erwirtschaften dabei ca. € 10 Milliarden (4,3 % BNP). Durch die sehr hohe Exportrate von 70 % ist die österreichische Forst- und Holzwirtschaft nach dem Fremdenverkehr der stärkste Devisenbringer Österreichs. Das Projekt soll dazu betragen, die hervorragenden wirtschaftlichen Ergebnisse der österreichischen Forst- und Holzwirtschaft auch für die Zukunft zu garantieren.
Wie schon erwähnt, können wichtige Durchforstungsmaßnahmen im Bereich der Laubholzbewirtschaftung wegen fehlenden Erlösen aus dem Rundholzverkauf nicht durchgeführt bzw. nur reduziert oder mangelhaft durchgeführt werden. Die fehlenden waldbaulichen Eingriffe stellen nicht nur reduzierte Erlöse für die forstwirtschaftlichen Betriebe dar, sondern determinieren sich auch im Waldzustand. Um die überragende Bedeutung der Waldflächen für den österreichischen Umweltzustand auf dem derzeitig hohen Niveau zu erhalten, müssen auch in Zukunft notwendige forstliche Eingriffe finanzierbar bleiben.

Holzverarbeitung


Gibt es ein Folgeprojekt bzw einen langfristigen Projektplan für spezielle Weiterentwicklungen?

Es ist geplant, die Projektidee auf eine größere Region auszudehnen bzw. neue Regionen mit einzubeziehen. Dabei wird auch an Regionen außerhalb Österreichs gedacht, hierbei insbesondere Richtung Süd-Osten.

Was sind die drei häufigsten Fragen, die Ihnen zum Projekt gestellt werden?

Frage 1: 1. Was ist Laubschwachholz?
Antwort: Laubschwachholz ist Laubholz geringer Durchmesserklassen, das bei Durchforstungsmaßnahmen anfällt.

Frage 2: Laubschwachholz eignet sich nur als Brennholz oder zur Hackgut / Pelletserzeugung, oder?
Antwort: Nein. Durch das Projekt soll gezeigt werden, dass Laubschwachholz auch für höherwertige Massivholzprodukte, die über eine thermische Verwertung hinausgehen, genutzt werden können. Damit sollen Verkaufsanreize geschaffen werden, die einen stabilen und akzeptablen Rundholzpreis für diese Sortimente garantieren. Für die Massivholzverwerter bringt die Nutzung von Laubschwachholz eine Erweiterung von Rundholzreserven und Preisvorteile im Vergleich zu Schnittholz von Laubholz starker Dimensionen.

Frage 3: Wann gibt es konkrete Ergebnisse?
Antwort: Aufseiten der Laubholz verarbeitenden Industrie stößt das Projekt stets auf großes Interesse, und es wurde von Beginn an gespannt nach Ergebnissen gefragt. Durch den Projektablauf bedingt, können aber erst zu Projektende konkrete Ergebnisse vorgelegt werden. Im ersten Forschungsjahr, das gerade erst zu Ende gegangen ist, lag der Schwerpunkt auf der forstlichen Seite und auf der Probengewinnung. Nun laufen die holztechnologische Charakterisierung sowie die Auswertung der forstlichen Parameter auf Hochtouren. In einem weiteren Schritt werden dann die forstwirtschaftlichen und holzwirtschaftlichen Ergebnisse zusammengeführt.

Herr Hansmann, vielen Dank für das Interview.

Das Interview wurde von Michael Pfleger (GrAT) durchgeführt.



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